Meike Reinold

NachtSchatten (für Bela Lugosi)

Wenn schaurig die Nacht ihren kranken Atem
auf das Antlitz der Schlafenden haucht,

Blätter rieseln

Und ein wilder Wind die Fichten niederzwingt,

kriecht im blinzelnden Silberlicht der
Straßenlaternen ein Gebilde.
Rabenschwarz.

Schemenhaft.

Einem Nebel gleich schwebt es empor und
weht herein durch verschlossene Fenster.

Beim Schein der wenigen bleichen Sterne
erhebt sich eine Gestalt,
erscheint leichenweiss ein Gesicht,
loht von mordroten Augen drohend der Tod.

Unabwendbar der Fluch,
der den Suchenden umgibt -
und duftlos sind die Blumen in kühl-grüner Gruft,
wenn schaurig die Nacht die Schlafenden
in ihren kalten Schattenmantel taucht.

Rabenschwarz.


© Meike Reinold