Rainer Güllich

Jahrgang 1954, von Beruf Ergotherapeut, lebt in Marburg.

Seine erste Veröffentlichung hatte er mit dem Kurzkrimi „Hass“. Mit dieser Kurzgeschichte belegte er einen der vorderen Plätze eines Kurzkrimi-Wettbewerbs, der im Rahmen des 1. Marburger Krimi Festivals stattfand.

Weitere Veröffentlichungen:
"Der zweite Marburger Krimi-Cocktail" BoD Verlag, Norderstedt
"Flaschenpost" - Das Ende einer Sucht, AAVAA Verlag, Berlin
„Die Befreiung“, Kriminalerzählung, Aurora Buchverlag, Berlin.
„Der Marburger Krimi-Cocktail“, BoD Verlag, Norderstedt.
„Siebzehnundvier – 21 Kurzgeschichten“, BoD Verlag, Norderstedt.
„Arthan der Krieger“, Fantasy-Roman, AAVAA Verlag, Berlin.
Diverse Kurzgeschichten in Anthologien und Zeitungen.


Ich möchte mich anhand einiger Lebensdaten vorstellen. Aber keine Angst. Ich erzähle mein Leben in der Abfolge meiner Schreibblockaden, das sind weniger als meine sechzig Lebensjahre.

Ich habe sie nämlich kennengelernt, die mythischen Schreibblockaden, die jeden Schriftsteller und auch Hobbyschreiber irgendwann überfallen. Schreibblockade bedeutet nichts anderes, das man nicht schreiben kann. Geht einfach nix. Es kommt nichts aufs Papier. Aber wem erzähle ich das?

Ich bin ja eher ein unauffälliger Mensch. Meine Texte sind auch so. Aber wie es so schön heißt: „Stille Wasser sind tief.“ Und so fallen meine Texte ebenfalls aus. Man wird das auch bei diesem Text erst Morgen merken, also sollte im Voraus gelächelt werden. Morgen ist es dafür zu spät.
Was mein Schreiben betrifft, kann ich nur meine Mutter zitieren, die mir, als ich ihr den ersten Band einer Geschichtensammlung mit einer Erzählung von mir darin schenkte, sagte: „Du hast ja schon früher immer gern geschrieben.“
Ich weiß, auf welche Begebenheit sie sich bezog. Ich hatte eine Kurzgeschichte aus einem Karl May-Heftchen abgeschrieben, Bilder aus besagtem Heftchen durchgepaust und habe das Ganze als mein Werk ausgegeben. Ein früher „Zu Guttenberg“ also, lange vor dem Internetzeitalter.
Ich war damals ungefähr elf Jahre alt. Danach hatte ich meine erste Schreibblockade, die ungefähr 13 Jahre anhielt.
Diese Karl-May-Heftchen haben übrigens meine Tanten finanziert. Mit einem Kuss und dem Satzfragment „Fünfundsiebzig Pfennig“ wurden sie von mir in den frühen finanziellen Ruin getrieben. Ich möchte mich an dieser Stelle dafür entschuldigen.

Mit 24 Jahren dann befand ich mich in einer echten Sinn- und Lebenskrise. Als ich meinte, sie sei überstanden, setzte ich mich hin und schrieb ein Gedicht, in dem ich mein neues positives Lebensgefühl zum Ausdruck bringen wollte. Das ging so:

Mein Leben
Ein neues Leben ist in mir geboren.
Es ist wie eine Blüte.
Noch ist es zart und schwach,
doch will ich es behüten,
denn aus diesem Leben
wachsen neue Blüten
und wenn aus diesen Blüten
dann ein Strauß geworden ist
werde ich wissen
dies Leben hat Stärke mir gegeben.

Tja, so war das. Ich habe das Gedicht ganz stolz in meiner Familie vorgetragen. Mein Cousin Walter, mit dem ich aufgewachsen bin und der für mich bis zu diesem Zeitpunkt, wie ein Bruder war, fragte: „Äh, bist Du vielleicht schwanger?“
Diese Frage löste dann meine nächste Schreibblockade aus, die dann 23 Jahre dauerte.

2002 fand in Marburg das 1. Krimi-Festival statt. In diesem Rahmen wurde ein Krimi-Kurzgeschichten-Wettbewerb durchgeführt, an dem ich mich spontan beteiligte.
Mein Krimi kam auf den 8. Platz. Nicht so toll wird der geneigte Leser jetzt sagen, aber … acht Krimis waren auserwählt in der Oberhessischen Presse abgedruckt zu werden. Man begann mit dem 8. Platz, der 1. Platz kam zum Schluss. Bis dieser an die Reihe kam, waren bestimmt zwei Monate vergangen. Den hat bestimmt kaum jemand gelesen, ich glaube meinen Krimi aber schon … es stimmt also: Die Letzten werden die Ersten sein.
Was ein bisschen blöd war, war das meine Frau zu der ganzen Aktion meinte: „Na ja, die Oberhessische Presse druckt sowieso alles.“
Das löste meine dritte Schreibblockade aus, die jedoch die kürzeste war. Sie betrug nur 8 Jahre.
2010 stieß ich dann im Internet zufällig auf eine Plattform für Leute, die gern schreiben. Bookrix. Tja, da habe ich dann mal meinen Krimi aus dem Wettbewerb eingestellt und mich da so ein bisschen umgeschaut. Den Krimi hat keiner gelesen ...
Was mir aber trotzdem gut gefallen hat, war der monatliche Poesie-Wettbewerb. Man konnte ein Gedicht einstellen und die Gedichte mit den anderen Teilnehmern bewerten. Jeweils drei Sieger des monatlichen Wettbewerbes würden am Ende des Jahres in einem Buch veröffentlicht werden. Super!
Also habe ich ein Gedicht geschrieben und habe es eingestellt. Ging alles ganz flott, ich glaube, das Schreiben ging noch schneller, als das Gedicht im Internet einzustellen.
Das Gedicht will ich Euch jetzt niemandem antun, ich bin ja schon froh, wenn bis hierher gelesen wurde.

Jedenfalls bin ich mit meinem Gedicht nicht unter die ersten drei gekommen, sondern war auf dem 8. Platz. Ist wohl mein Schicksal … immer Achter! Aber immerhin gab es einige Kommentare. Eine Teilnehmerin schrieb, dass ihr das Gedicht ganz gut gefallen habe, trotz des missglückten Reimschemas in allen fünf Strophen. Ich weiß bis heute nicht, was sie meinte.
Jedenfalls hat dies nicht meine vierte Schreibblockade ausgelöst, sondern ich habe fleißig weitergeschrieben.
Und mal sehen, ob ich nach diesem Text hier auch weiterschreibe, die Vorstellung, dass dieser Text tatsächlich gelesen wird, lässt mich ein bisschen zittern.
Mein persönliches Fazit aus dieser gesamten Entwicklung ist jedoch: Mein Cousin ist ein Armleuchter … wenn nicht Schlimmeres!