Ursula Engel

Die Voyeurin

Ich die Nacht
gerade geboren
stürze mich in den
Strom des Lebens

In mir brennt
die Neugier
die jetzt mit mir spaziert

Mein Freund der Mond
ist stets mein Begleiter
Die Luft
Hand in Hand mit mir

Ich bin gerne mit den Katzen
in den hinteren Gassen
beäuge ihr heimliches Tun

Sehe den Tänzer in seiner Ekstase
In dem Rhytmus der Musik
umschlinge und verführe ich ihn

Liebe den Sommer
wenn die Leidenschaften brennen
Nicht den Winter
mit seiner kalten und rauen Haut

Ich finde das Kind
das gerade
das Licht der Welt erblickt
und den Mann
der sein Leben auslöscht

Teile die Freude
mit den Glücklichen
leide mit denen die weinen
und bedaure die
die zu zweit alleine sind

Begleite die Süchtigen
in ihrem Rausch
die eine kurze Zeit
glücklich sind

Ich schütze die Gedanken
die Gewollten und die
nicht sein sollten

Bin stummer Zeuge
von Verbrechen und Mord
Unter meinem Mantel
kann man unerkannt fliehen

Ich nächtige gerne im Osten
wo die Mandelbäume blühen
Am Fluss der Düfte
sehe ich Sterne glitzern und glühen

Bald kommt der Tag
ihm muss ich mich beugen


Ich muss mich beeilen - eilen

(c) Ursula Engel