Monika Koos

Froschkönig

Er würgte den Frosch herunter. Wie unangenehm, es war schon der vierzigste. Sie hatte ihn aus grünem Esspapier gefaltet.

Sie war Orgamikünstlerin und faltete nicht nur Frösche. Rund um ihr Bett verteilt standen allerlei kleine Kunstwerke: Schiffchen, Schächtelchen mit und ohne Blütenabschluss. Er sah ihr gerne zu, wenn sie mit ihren schmalen Händen die bunten Papiere faltete und so die merkwürdigsten Geschöpfe entstehen ließ.

„Wenn ich früh morgens um vier Uhr nicht mehr schlafen kann, beginne ich zu falten. Was anderes kann ich um diese Zeit nicht tun, ohne zu stören.“

Das hatte sie ihm beim Kaffee am Bäckerstand erzählt.

„Wie schade“, hatte er damals gesagt, „ich wüsste sehr gut, was man früh morgens tun könnte.“

Jeden Morgen standen sie beim Bäcker und frühstückten zusammen. So hatten sie sich kennen gelernt.

Gern war er ihrer Einladung zu einem gemütlichen Abend gefolgt. Daraufhin hatte er vierzig Nächte mit ihr im Bett verbracht. Er war von ihr sehr angetan. Jedoch saß sie weiterhin jeden Morgen ab vier Uhr auf der Bettkante und faltete. Dann steckte sie die Finger in die Faltentaschen des Frosches, der sein Maul aufriss, und dazu machte sie quak, quak.

Lächelnd schob sie ihre Frösche in seinen Mund. Er schluckte ihn jedes mal.

(c) Monika Koos